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Konstanz: „Auch Bestatter müssen mit der Zeit gehen“

Published by in German / Deutsch ·
Tags: KrematoriumBestatterKonstanz

Michael Richter (44) ist fachgeprüfter Bestatter und arbeitet seit 1985 im Konstanzer Bestattungs- und Überführungsinstitut „Concordia“, das 1960 von seinem Vater gegründet wurde. Die Firma beschäftigt aktuell neun Mitarbeiter und bietet eine umfassende Betreuung in Trauerfällen.

Herr Richter, nach Prognosen des Statistischen Bundesamtes wird die Zahl der Todesfälle in Deutschland von 862 000 im Jahr 2010 auf 1,011 Millionen im Jahr 2040 steigen. Werden die Umsätze der Bestatter also deutlich wachsen in den nächsten Jahren?

Die Leute wollen sparen und fragen, was es kostet. Der Trend geht zu Gräbern, für die keine Folgekosten durch Grabunterhalt und Grabpflege entstehen. Bei Urnen habe ich etwa kleinere Gräber, und dann gibt es ja auch die Möglichkeit der Wald-, und Seebestattung. Die klassische Erdbestattung ist da immer teurer, alleine schon durch die Folgekosten der aufwändigen Pflege der großen Gräber.



Spüren Sie diesen Spardruck auch in der Abwicklung von Sterbefällen?

Ja, es kommt oft auf jeden Euro an. Der Sarg soll günstig sein und auch der Blumenschmuck muss nicht aufwändig sein. Sogar eine anonyme Bestattung ist manchen recht.



Der Trend geht also in Richtung Urnenbeisetzung?



Absolut. Auch bei Urnen brauche ich zwar zunächst einen Sarg, aber der muss ja nicht aus Eiche sein – daher ist die Feuerbestattung das günstigere Modell. In Konstanz ist das Thema nicht so aktuell – hier gab es schon immer viele Feuerbestattungen, weil das Krematorium direkt vor Ort ist. Im ländlichen Bereich ist aber deutlich spürbar, dass die Erdbestattung zurückgeht. Zum einen eben wegen der Kosten, zum anderen aber auch durch veränderte Familienstrukturen. Früher wohnte die Großfamilie in einem Haus, heute sind die Familienmitglieder berufsbedingt verstreut. Da wird die Gräberpflege zu einem Problem.



Wie sehen Sie langfristig die Entwicklung der Bestattungs-Branche?

Bestatter ist seit einigen Jahren ein Handwerkslehrberuf, früher hat das der Schreiner nebenbei gemacht. Bestatter ist ein moderner Dienstleistungsberuf, mit dem Komplett-Angebot wie Anzeigen und Behördengänge. Wir verkaufen nicht nur einen Sarg. Fachbetriebe sind meiner Meinung nach also auch in Zukunft die Gewinner. Auch Bestatter müssen mit der Zeit gehen. Die Menschen wollen einen kompetenten Ansprechpartner, der auch fachlich Ahnung hat und ein Komplettpaket anbietet. Dann hat er weiterhin gute Chancen auf dem Markt. Trotzdem müssen wir Augen und Ohren offen halten. Wir sind aber nicht ganz so extrem Trends unterworfen wie andere Branchen.


Aktuell ist das noch nicht zu sehen. Sollte es aber wirklich so kommen mit den steigenden Sterbezahlen, bringt das uns finanziell nicht mehr, weil die Leute kaum noch Geld haben für eine aufwändige Bestattung. Viele sorgen nicht privat vor, und seit 2004 gibt es auch kein Sterbegeld mehr von den gesetzlichen Krankenkassen. Vorher hatte jeder noch Anspruch auf Sterbegeld, das tat der Branche natürlich gut. Die Leute sind jetzt an dieser Stelle finanziell alleine gelassen und müssen selbst schauen, wie sie das regeln.



Sind die Angehörigen generell noch bereit, viel Geld in eine Bestattung zu investieren?




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