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Hanau: Erdbestattungen im Niedergang

Published by in German / Deutsch ·
Tags: HanauKrematoriumErdbestattungNiedergang

Hohe Gebühren und die veränderte Trauerkultur sorgen für verwaiste Gräber

Hier waren früher überall Gräber“, erzählt Stephan Gebhard beim Gang über den Hauptfriedhof. Seit 15 Jahren arbeitet er als Friedhofsgärtner im Betrieb seiner Schwiegermutter Heidi Herrmann. Damals dachte die Stadt noch darüber nach, den Friedhof zu erweitern. Doch diese Zeiten sind längst vorbei: Spätestens seit der satten Gebührenerhöhung vor Jahren gibt es kaum noch Erdbestattungen in Hanau.

Gebhards Schwager Thomas Herrmann kann ein Lied davon singen. Als Bestatter ist er mit dem Leid der Angehörigen zuerst konfrontiert. Die treffe meist der sprichwörtliche Schlag, wenn sie von den Kosten erfahren: Ein Doppelgrab, für 20 Jahre gemietet, kostet fast 5000 Euro, ein Einzelgrab gut die Hälfte. Deshalb entschieden sich immer mehr Bürger für ein Urnengrab, das für unter 1000 Euro zu haben ist.

Entgegen der Empfehlung des Landes Hessen hob die Stadt die Friedhofsgebühren 2011 nicht weiter an. Schließlich hatte sie diese zum 1. Januar 2008 um mehr als die Hälfte erhöht. Der Regierungspräsident hatte die hoch verschuldete Stadt auf ihre Pflicht hingewiesen, bei den Gräbern eine Kostendeckung von 75 Prozent zu erreichen. Dieses Ziel hat die Stadt nach Aussage von Betriebsleiter Bernd Lenz noch immer nicht ganz erreicht. Seine Verwaltung habe Sparvorschläge gemacht. Eine weitere Gebührenerhöhung im kommenden Jahr schließt er dennoch nicht aus.

Während die Gewerbetreibenden rund um die Friedhöfe die hohen Gebühren für die verwaisten Grabflächen und die steigende Nachfrage nach billigen Bestattungen verantwortlich machen, sieht Lenz den Grund in der veränderten Friedhofskultur der Bürger. „Die Leute trauern heute anders, und viele gehen den pflegeleichten Weg“, glaubt er.

Heidi Herrmann vom gleichnamigen Blumenhaus hinter dem Hauptfriedhof kann ein Lied davon singen. Immer weniger Erdbestattungen bedeuten immer weniger Grabschmuck. Statt mehrerer Kränze passt auf die kleinen Urnenfelder nur wenig Grünzeug – ganz zu schweigen von den Kolumbarien und Baumgräbern, die es seit einigen Jahren auch in Hanau gibt. Herrmann kennt aus ihrem Laden viele Leute, die sich ein herkömmliches Grab nicht mehr leisten können.

Stadtrat Axel Weiss-Thiel, seit vier Jahren für den Grünflächenbetrieb und damit auch die Friedhöfe zuständig, verteidigt die Gebührensatzung für die Friedhöfe. Diese bewegten sich im Vergleich zu ähnlich großen Städten derzheit im Mittelfeld. Im Vergleich zu Kommunen wie Nidderau und Schöneck seien die Gräber in Hanau sogar günstig.

Seinem Betriebsleiter zufolge herrscht mittlerweile ein regelrechter Wettbewerb zwischen den Städten, beispielsweise im Bereich der Krematorien – die Stadt hat ihres erst vor rund zehn Jahren generalsaniert. Deshalb müsse die Friedhofsverwaltung stärker in die Öffentlichkeit gehen, damit sich der Standort behaupten könne. Unter anderem deshalb habe Lenz mit Olaf Kruse einen Mann mit viel Erfahrung im Bereich Marketing und Kommunikation als neuen Leiter geholt.

Eine seiner ersten Amtshandlungen war gestern, den neuen Hanauer Friedhofsführer vorzustellen. Dieser listet auf 85 Seiten alle Friedhöfe und Bestattungsarten auf. Informationen über die Höhe der Gebühren sucht der Leser darin jedoch vergebens. Die Stadt wollte das so, damit ihr Heft angesichts künftiger Erhöhungen nicht so schnell veraltet. Finanziert wurde die Broschüre eines Leipziger Spezialverlags von Inserenten wie den Herrmanns.




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