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Riten der Bestattung

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"Erde zu Erde - Auf dem Weg zur ewigen Ruhe": So heißt die neue Sonderausstellung im Volkskundlichen Gerätemuseum Arzberg-Bergnersreuth.

"Die Vergänglichkeit ist das einzig Gewisse im Leben", hat Professor Dr. Günther Dippold bei der Eröffnung der neuen Sonderschau im Volkskundlichen Gerätemuseum Bergnersreuth festgestellt. Der informativ-unterhaltsame Fachvortrag des Bezirksheimatpflegers und ein von Kuratorin Andrea Schölzel geleiteter Rundgang veranschaulichte den geladenen Gästen das Thema "Erde zu Erde - auf dem Weg zur ewigen Ruhe". Trotz seines ernsten Themas geriet der Vortrag Dippolds in Teilen recht erheiternd.

Den Angehörigen, der erstmals den Leichnam eines Verwandten bestattete, bezeichnete er als den möglichen "Begründer der Zivilisation". "Begräbnis steht, so scheint es, am Beginn der Kultur." Demnach sei es alles andere als ein Randthema, dessen sich die Ausstellung annehme.

Im Laufe der Geschichte habe sich der Totenkult immer wieder verändert, auch habe es verschiedene Bestattungsriten parallel gegeben; besonders nachhaltig habe sich aber das Christentum ausgewirkt. "Im Mittelalter legte man Friedhöfe rund um Kirchen an. Dort gab es, wie schon in vorchristlicher Zeit, aber keine Gleichheit im Tod." Die Nähe zum Heiligtum habe die Gesellschaft gegliedert. Mitglieder von Eliten hätten sich in der Kirche bestatten lassen, in Gruften und Grablegen, Wohlhabendere hätten ihre letzte Ruhe an der Außenmauer der Kirche gefunden, und je weiter das Grab von der Kirche entfernt gelegen sei, desto geringer der soziale Status.

Friedhof vor der Stadt

"Erst im Gefolge der Reformation wurden an Orten, wo es allzu große Platznot gab, Friedhöfe an den Ortsrand - vor die Stadtmauern verlegt -, so Dippold. In katholischen Orten dagegen hätten die Menschen trotz aller Enge den Begräbnisplatz um die Pfarrkirche beibehalten.

Der moderne Beamtenstaat Bayern habe 1803 die Bestattung in geschlossenen Räumen und innerhalb von Ortschaften verboten. Trotz allen aufklärerischen Eifers sei es nicht gelungen, das Begräbniswesen grundsätzlich zu ändern, zu groß sei der Widerstand im Volk gewesen. Versuche, die Toten anders zu bestatten - im Zuge einer Furcht vor Holzmangel beispielsweise die Verbrennung oder die Bestattung ohne Sarg - seien gescheitert.

Erst 1878 habe das erste deutsche Krematorium seinen Betrieb aufgenommen, das erste oberfränkische 1907. Stichpunktartig riss Dippold weitere Themen des Totenkultes an, etwa Unterschiede der Konfessionen, Moden, wie die verschiedenen Bestattungszeiten, oder die Verwendung von Utensilen, zum Beispiel Bahrschilder oder Totenkronen. Sein thematischer Grobüberblick verdeutlichte, wie sehr der Tod das Leben als Spiegel der Zeit und der Gesellschaft prägt.

Die recht überschaubare Zahl der Exponate der Sonderausstellung im Volkskundlichen Gerätemuseum erzählen ebenfalls von dieser Geschichte, respektvoll aufgemacht, ohne übertriebenen Ernst, jedoch mit Fingerspitzengefühl. Ohne Konfrontation geht es dennoch nicht ab, löst doch das Sterben in jedem Menschen eine Urangst aus. Gleichzeitig tröstet die Schau den Betrachter, macht sie ihm doch gewiss, dass die Menschen ihn im und nach dem Tod ehren werden.

Tod ins Leben holen

Den Tod ins Leben zu holen, das Nachdenken über das Sterben anzuregen, seien Anliegen der Ausstellung, sagte die Leiterin der Fichtelgebirgsmuseen, Dr. Sabine Zehentmeier. Archäologin Andrea Schölzel, Volontärin im Gerätemuseum, sei als Kuratorin prädestiniert gewesen, da auch zahlreiche archäologische Funde gezeigt würden.

Bürgermeister Stefan Göcking gab zu, anfangs skeptisch gewesen zu sein, als er von den Plänen gehört habe. Doch inzwischen sei er der Ansicht, dass der Tod ein Thema sei, das es wert sei, darüber zu reflektieren, da jeder irgendwann damit konfrontiert werde.




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