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Darf man Alterswohnungen mit Energie aus dem Krematorium beheizen?

Published by in German / Deutsch ·

Wenn Umweltschutz zur Pietätsfrage wird

Darf man Alterswohnungen mit Energie aus dem Krematorium beheizen? Mit der Idee, einen Neubau an den Wärmeverbund des Friedhofs Rosenberg anzuschliessen, brachte die Stadt die Genossenschaft Gaiwo ins Dilemma.

Wegen der Vorgaben der Luftreinhalteverordnung haben Krematorien heute den Charakter kleiner Industrieanlagen: Die Verbrennung findet bei extrem hohen Temperaturen statt, die Abgase passieren einen Rauchgasfilter und eine Nachverbrennungszone, worin die flüchtigen Reste von Sarg und Leichnam noch einmal erhitzt und entgiftet werden. Der Prozess ist energieintensiv und die Abwärme, wird sie in die Luft entlassen, ist eine Belastung für die Umwelt. Moderne Krematorien sind darum oft mit Heizungsanlagen gekoppelt, so auch jenes in Winterthur.

Im Rosenberg werden sämtliche Betriebsgebäude des Friedhofs sowie ein nahe gelegenes Verwaltungsgebäude der Stadtgärtnerei mit der Wärme aus den gasbetriebenen Kremationsöfen beheizt. Ein Wasserspeicher sorgt quasi als Batterie dafür, dass auch bei ruhendem Betrieb Wärme zur Verfügung steht. Trotzdem kommt es im Sommer zu Überschüssen, die Energie entweicht ungenutzt in die Umgebungsluft – eben das brachte den Friedhofsleiter, einen Biologen, auf eine Idee.

Abwärme: Ein heisses Eisen

Wie weit die Pläne, einen Neubau der Genossenschaft für Alters- und Ivalidenwohnungen (Gaiwo) ans Fernwärmenetz des Friedhofs anzuschliesen, letztlich gediehen, bleibt unklar: Friedhofsleiter Alex Borer spricht von einer spontanen Idee, die bei einem gemeinsamen Kaffee mit einem Energiefachmann der Stadtverwaltung sowie Gaiwo-Geschäftsführer Hans Rudolf Koblet entstanden sei. Sein Vorgesetzter, Stadtgärtner Christian Wieland, will vor der Anfrage des «Landboten» noch gar nicht von dem Vorhaben gehört haben. Koblet erzählt von ersten, informellen Gesprächen, die er in der Gaiwo über das Thema geführt habe. «Dann aber hiess es von Seiten der Stadt, der Anschluss sei aus technischen Gründen nicht sinnvoll. Damit war die Idee für uns vom Tisch.»

Koblet war nicht unglücklich darüber, dass seine Genossenschaft noch einmal «um die Klärung der Pietätsfrage herumgekommen ist». Energieeffizienz gehöre bei Neubauten zwar zu den zentralen Anliegen der Genossenschaft. Gegenüber der Abwärme aus dem Friedhof seien aber grosse Vorbehalte spürbar gewesen. Die Leiterin einer Alterssiedlung habe zu ihm gesagt: «Wenn wir das machen, dürfen wir es aber niemandem erzählen.»

Breite Diskussion in Berlin

Wie sehr das Thema polarisiert, zeigte sich beispielsweise, als in Berlin die Nutzung der Krematoriumswärme zur Beheizung von Schwimmbädern und Schulen diskutiert wurde. In einer Umfrage der «Zeit» unter Berliner Geistlichen reichten die Voten von «das ist Wärme im energetischen Sinn und hat mit Pietät nichts zu tun» bis zu «Assoziationen mit Auschwitz».

Laut Stadtgärtner Wieland war eine Ausweitung des Wärmeverbundes eigentlich schon bei der letzten Erneuerung des Krematoriums geprüft worden. Weil die Öfen nur tagsüber und nur wochentags betrieben werden, so das damalige Resultat, wäre ein Anschluss weiterer Bezüger ans Fernwärmenetz nicht sehr effizient.

Die 14 Alterswohnungen, die ab Herbst an der Schaffhauserstrasse beim Abzweiger zum Friedhof gebaut werden, sollen nun von einer Wärmepumpe mit Erdsonde beheizt werden. Laut Koblet auch eine «ökologische» Lösung. Und eine ganz ohne Pietätsvorbehalte.




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