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Was von uns Menschen übrig bleibt

Published by in German / Deutsch ·

3000 Menschen werden pro Jahr im Krematorium Bern verbrannt. Die siebte Tür des BZ-Adventskalenders führt uns zur Stätte, wo der Körper bei 850 Grad zu Asche wird.

Schreie, Blut, Schmerzen, Hektik: Laut und lebendig ists im grellen Gebärsaal, wenn das Herz zum ersten Mal ausserhalb des Mutterleibes schlägt. Steht es meist acht oder neun Jahrzehnte später still, verlassen wir dieselbe Welt ganz leise. Einzig das Geräusch von brennendem Gas ist hörbar. Sekundenschnell öffnet sich das Tor, der Sarg gleitet auf einer Schiene in den Ofen. Drinnen ist es 850 Grad heiss, das Licht des Feuers ist warm. In rund einer Stunde ist vom Körper nichts als Asche übrig – im Schnitt drei bis vier Kilo.

Ein unspektakuläres, pragmatisches Ende nach einem mehr oder weniger erfüllten Leben: Die Mitarbeiter des Krematoriums Bern beim Bremgartenfriedhof erleben das 3000-mal pro Jahr. Kein Tag gebe es, sagt Geschäftsleiter Christian Gasser, an dem sie keinen Menschen einäschern müssen. Im Schnitt sind es 6 bis 20 täglich, im Winter mehr als im Sommer. «Das graue Wetter, die Grippe, das Gemüt», nennt Gasser als Gründe.

Der Körper ist in der Regel während dreier Tage aufgebahrt. Eine Zeit, die Angehörige benötigen, um die Bestattung vorzubereiten. Frühestens 48 Stunden nach dem Tod darf eine Leiche verbrannt werden. In der Schweiz wünschen 75 Prozent der Menschen eine Feuerbestattung – in der Stadt Bern sind es gar 90 Prozent.

Zwei Gasöfen stehen im Krematorium, sie wurden erst vor zwei Jahren eingebaut. Einer von ihnen ist riesig, fast sechs Meter hoch, er bietet Platz für schwere Leichen bis zu 200 Kilo. Die zwei alten Elektroöfen werden nur noch im Notfall eingesetzt.

Hinter den Öfen befindet sich die Steuerzentrale. Die Ofenwarte steuern den Prozess per Mausklick: Leichennummer eingetippt, Enter, los geht die Kremation. Angehörige dürfen bis zu dem Moment dabei sein, wo sich die Tür hinter dem Sarg schliesst. «Wir haben jeden zweiten Tag Leute hier», sagt Gasser. Zudem bietet das Krematorium Führungen für die Pro Senectute an.

Blick in den Sarg

Die Toten liegen normalerweise in ihren Alltagskleidern im Sarg. Die Ofenwarte wissen nicht, wann und woran sie gestorben sind. Unfallopfer oder Opfer von Verbrechen werden in Säcken verbrannt, der Sarg ist verschraubt. Denn diesen Anblick will man den Angestellten ersparen. Bei den «normalen» Leichen wirft Ofenwartin Eliane Glauser immer einen Blick in den Sarg, bevor er ins Feuer gleitet. «Ich kann nicht anonym kremieren, da könnte ich ja genauso gut zur Kehrichtabfuhr», sagt Glauser.

Gegenstände sind in der Regel nicht erwünscht, doch gibt es immer wieder Sonderwünsche zu erfüllen. So wollte jemand mit seiner Bassgeige verbrannt werden, was Geschäftsleiter Gasser aus Platzgründen ablehnte. Einem Jugendlichen hingegen legte man sein Skateboard in den Sarg, bei Kindern sind oft Zeichnungen mit drin. Beim Thema Kinder kriegt Eliane Glauser auch nach drei Jahren als Ofenwartin Gänsehaut: Zum Glück seien es nicht mehr als eines oder zwei pro Jahr. «Das wird garantiert nie zur Routine», sagt sie.

Die Kremation läuft in einem voll automatisierten Stufensystem ab. Die Hauptverbrennung dauert im Schnitt eine Stunde. Leichen von Krebskranken brennen länger, da die Medikamente den Körper gegen Hitze isolieren. Auch übergewichtige Menschen liegen länger im Ofen; je mehr Kilo jemand auf den Rippen hat, desto länger dauert der Verbrennungsprozess.

Nach der Hauptverbrennung fällt die Asche durch eine Klappe in eine weitere Kammer, wo die Mineralisierung stattfindet, alles also nochmals zerkleinert wird. Bis die Asche erkaltet ist und in die Urne gefüllt werden kann, vergehen im Schnitt zwei bis drei Stunden.

40 Franken für das Gas

Ein kleines Tonplättchen mit der Identifikationsnummer liegt auf dem Sarg. Es geht mit in den Ofen und ist am Schluss der Beweis, dass die richtige Asche im richtigen Gefäss liegt. Immer öfter holen die Angehörigen die Urne selber ab und verstreuen die Asche dann irgendwo.

Ob es nach dem Tod weitergehe, wisse er nicht, sagt Gasser. «Jedenfalls habe ich hier nie eine seltsame Präsenz gespürt.» Für ihn ist klar, dass auch er früher oder später in einem der Öfen zu Asche wird. Eine Kremation in Bern kostet ab nächstem Jahr 600 Franken. Das sind 50 Franken mehr als jetzt. Weil, ganz pragmatisch, der Gaspreis teurer wird. 40 Franken pro Körper fallen auf den Brennstoff.




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