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Krematorium Kising: Wasserdampf – oder doch viel mehr?

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Tags: KrematoriumKissingAbgasWasserdampf

In der Rauchgalerie der BI „Kissinger sagen Nein“ finden sich morgendliche Bilder. Die Daten dazu aus der Anlagensteuerung und dem Emissionsrechner.

Kissing Gestern, 8 Uhr morgens, 3,5° C Außentemperatur, sich auflösender Nebel. Zeitpunkt und Kühle sind vergleichbar einem Foto vom Dienstag, 18. Oktober in der „Rauchgalerie“ der Bürgerinitiative „Kissinger sagen Nein“ zum Krematorium. Ist das Rauch, der da dem Schornstein der Anlage im Kissinger Norden entsteigt? Betreiber Rainer Haupt ist gerne bereit, den vollständigen Ablauf einer Einäscherung begleiten zu lassen und alle Daten und Kurven an den beiden Rechnern verfolgen zu lassen.

Nach etwa 40 Minuten Aufheizphase hat die Temperatur hinten am Kamin 81° C erreicht. Der Blick zum Kamin hoch zeigt eine Abgasfahne, die bisher nur Wasserdampf und ein klein wenig (knapp ein Prozent) Staub enthält. Der Emissionsrechner (hier kann man nur Daten abrufen, keine Eingaben machen) steht in allen Aussagen auf Null. „Er hat zwar alle Werte, weist aber nichts aus, so lange keine Einäscherung stattfindet. Sonst würde sich ja deren Ergebnis verzerren“, erläutert Anlagenbauer Gregor Kaiser am Telefon. Der Ingenieur nennt auch den Unterschied zwischen einer Rauch- und einer (hauptsächlich) Wasserdampfwolke: „Erstere sieht man sofort am Kaminrand und sie erstreckt sich weit am Himmel, kann kilometerlang sein. Dampf wiederum kondensiert erst nach einer gewissen Aufstiegsphase oberhalb des Kaminrands aus, löst sich aber auch bald wieder auf.“

Einäscherung Nummer 67 kann um 9.28 Uhr beginnen. Auf Knopfdruck öffnet sich die Tür, die glühende Steinhöhle wird sichtbar, der schmucklose Fichtensarg, 165 Kilogramm schwer, fährt ein. Die Diagramme am Anlagenrechner ändern sich gewaltig. Der CO-Wert (Kohlenmonoxid – er sagt aus, wie gut die Verbrennung abläuft) schnellt in einem Peak nach oben, dafür geht der O2-Wert (Sauerstoff) stark in die Knie. Der Sekundenwert beim Staub schwankt zwischen 1,28 und 1,5 Prozent hin und her. Die Messung erfolgt über eine Sonde im Abgasrohr kurz hinter der Nachbrennkammer (Temperatur: 873° C), von der Abluft über ein dünnes Röhrchen quer durch die Halle zum Messschrank, der in einem Nebenraum steht, geführt wird. Ein Display dort zeigt auch die wichtigsten Messwerte an. Diese Abluft wird übrigens im Raum belassen – damit auch die Nase riechen kann, wenn Gestank in der Luft liegt.

Was aber verursacht die Abgase am Himmel. Die sieht während der Einäscherung nicht anders aus als in der Aufheizphase. „Wir müssen, um die Abgase kühlen zu können, pro Kremierung etwa 350 Liter Wasser verdampfen. Das ergibt natürlich eine immer wieder neu sich speisende Fahne, wenn es kalt ist“, sagt Haupt. Die Flüssigkeit wird über zwei „Lanzen“ (eine dritte ist in Reserve) mit hohem Druck eingesprüht. Die Manometer zeigen es an. Um 9.34 Uhr steht der CO-Sekundenwert wieder auf 0,00 Milligramm pro Kubikmeter (mg) Abgas, während der parallel mitlaufende Integralwert (Mittelwert während einer einstündigen Messung) bei 18,8 liegt und ständig sinkt. Kurz vor 10 Uhr (zur vollen Stunde übernimmt der EMI-Rechner einen Fixwert) liegt er bei 3,92 mg. Nach der 27. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes über Anlagen zur Feuerbestattung (BImSchV) dürfen bis zu 50 mg ausgestoßen werden.

Der Staubanteil in der Abluft, nach der BImSchV mit maximal 10 mg angegeben, kann nicht direkt gemessen werden. Laut Kaiser sind die Prozentwerte nur Aussagen des „Filterwächters“, dass dieser funktioniert. Belastbare Aussagen wird demnächst ein Messinstitut ermitteln, auch in Bezug auf Dioxine, Furane und Quecksilber, das die Anlage emittiert. Frühestens nach drei Monaten Betrieb wird dieses tätig, „die wollen gar keine nagelneuen Anlagen prüfen“, so Kaiser.

Haupt startet auf dem PC-Schaubild den Brennofen; die Temperatur in der Nebenbrennkammer (sie muss für eine Verbrennung bei mindestens 850° Grad liegen, sonst lässt sich Ofentür gar nicht öffnen) liegt bei 480° C. Dem Ofen wird zuerst Frischluft zugeführt – es könnte sich ja Gas darin gesammelt haben, das bei einer Zündung hoch gehen könnte. Der Hauptbrenner startet.




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