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Asche zu Asche, Staub zu Staub

Published by in German / Deutsch ·

Lautlos gleitet der helle Holzsarg in den roten Schlund. Kaum ist er in der 90 Zentimeter hohen Brennkammer angekommen, da fängt er auch schon Feuer. Es knistert. Eine Hitzewelle strömt Krematoriums-Leiter Dieter Qualmann aus dem Ofen entgegen. Dann schließt sich der schwarze Ofenschieber wieder. Qualmann schaut auf einen Bildschirm. "744 Grad", steht auf der Anzeige. "Eine ideale Temperatur für die Hauptbrennkammer kurz nach der Beschickung", sagt der 61-Jährige. Bis zu 1000 Grad können die Temperaturen beider Öfen kurzzeitig erreichen.

Zwischen 70 und 80 Minuten dauert die Einäscherung. Dann öffnet Qualmann einen Schieber an der Rückseite des Ofens und zieht die sterblichen Überreste in die Ausbrennkammer. Danach landen sie in einer kleinen Lore.

Verwechslungen von Urnen ist ausgeschlossen

In die Urne kommt nur die Asche des Verstorbenen. "Viele Menschen haben Angst, dass die Asche verschiedener Verstorbener vermischt wird, aber das ist absolut ausgeschlossen", sagt Qualmann. An den beiden Öfen sind Tafeln angebracht, auf die die Mitarbeiter mit Kreide Nummern schreiben, die den Verstorbenen zugeordnet sind. "Damit es nicht zu Verwechslungen kommt", erklärt der Krematoriumsleiter. Mit seiner dunkelgrauen Brille könnte er auch als französischer Philosoph durchgehen. Er lacht selten und wenn, dann wird das Schmunzeln von seinem Schnauzbart verdeckt.

Auch die Asche, die beim Verbrennen des Sarges entsteht, kommt nicht in die Urne. "Die Holzasche wird vom Abgasstrom mitgenommen und als Staub ausgeschieden", erläutert Qualmann. Sie landet in 200-Liter-Fässern in einem Raum neben den Öfen. Einmal im Jahr holt ein Unternehmen zwischen 14 und 16 Fässer ab, deklariert als Sondermüll. Denn der Inhalt besteht auch aus Schadstoffen wie Quecksilber, das während der Einäscherung beim Verdampfen von Amalgamfüllungen entsteht.

Dieter Qualmann leitet das Krematorium seit elf Jahren. Er trägt einen blauen Arbeitsanzug und schwarze Arbeitsschuhe. Dass er einmal täglich mit dem Tod zu tun haben würde, das hätte er damals nicht gedacht. Eigentlich ist der Mann mit dem schwarzen Schnäuzer, in den sich einige graue Haare verirrt haben, Meister für Heizung, Lüftung und Sanitärtechnik. "Die ersten zwei Wochen hatte ich zu kämpfen", erinnert sich der Mann mit der dunkelblauen Kappe. Doch mittlerweile habe er sich daran gewöhnt, im Arbeitsleben permanent vom Tod umgeben zu sein. "Mit nach Hause nehme ich das nicht, was ich hier jeden Tag sehe", sagt er. Wenn sich die Tür des Krematoriums schließe, vergesse er die Toten und das Feuer.

Die Asche wiegt zwischen drei und vier Kilogramm

Nach dem Abkühlen der Ausbrennkammer nimmt der 61-Jährige die 40 mal 20 Zentimeter große und 10 Zentimeter tiefe Lore heraus. Sie ist gefüllt mit feiner grauer Asche, die in die Urne kommt. Der Krematoriumsleiter fischt ein Metallstück heraus. Implantate der Metallsplitter kommen nicht in die Urne. Qualmann hält kurz inne. Moleküle, aus denen vor zwei Stunden noch ein Mensch bestand, haben sich in drei bis fünf Kilogramm Asche verwandelt.

Der Chef des Krematoriums legt einen runden Stein aus gebranntem Ton auf die Asche. "31 726", steht darauf, die Identitätsnummer. Der Stein verrottet nicht, er bleibt im Grab zurück, erklärt er. Auch dann noch, wenn die Urne längst zerfallen ist und die Asche sich in Erde verwandelt hat. Dann versiegelt er den kleinen Behälter fest mit einem Metalldeckel. Darauf steht die Einäscherungsnummer, der Name des Verstorbenen, sein Geburts- und Sterbedatum und der Tag der Feuerbestattung.

Feuerbestattungen fanden bis 1995 auf dem Alten Friedhof statt

Vor dem Krematorium auf dem Waldfriedhof fährt ein silberfarbener Leichenwagen vor. Die Bestatter in schwarzen Anzügen laden zwei Särge aus. Bestatter können rund um die Uhr Verstorbene ins Krematorium bringen. Sie haben eine Chipkarte, mit der sie die Tür öffnen können. Sie stellen die Särge in einen zehn mal sechs Meter großen Kühlraum. Die Wände sind grün, der Boden ist braun gekachelt. "Hier passen bis zu 30 Särge rein", berichtet Qualmann. Heute sind es jedoch nur vier, die hier stehen.

Insgesamt gibt es vier Kühlraume im Krematorium auf dem Gelände des Waldfriedhofs. Seit 1995 ist es in Betrieb. Vorher wurden die Einäscherungen in dem am 1. Dezember 1930 eröffneten Krematorium auf dem Alten Friedhof vorgenommen, der 1863 auf Anregung von Georg Adolph Demmler zwischen Grimke See und Galgenberg angelegt worden war. Auch einen Raum für die Leichenschau gibt es. Vor der Einäscherung muss immer ein Gerichtsmediziner eine zweite Leichenschau durchführen. "Das ist bei der Feuerbestattung obligatorisch, weil nach der Einäscherung keine Rückschlüsse auf die Todesursache mehr möglich sind", sagt Qualmann. Bei der Erdbestattung könne der Tote hingegen noch exhumiert werden. Jeden Morgen kommt der Mediziner im Krematorium vorbei, erledigt seine Arbeit und gibt die Verstorbenen zur Verbrennung frei.

Zwischen 1700 und 2000 Tote werden pro Jahr in dem von den Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen Schwerin (SDS) betriebenen Krematorium eingeäschert - die SDS sind für die Bewirtschaftung der Friedhöfe der Landeshauptstadt zuständig.

Krematoriumsleiter Dieter Qualmann hat schon viele Särge kommen und viele Urnen gehen sehen. Mittlerweile ist das für ihn zur Routine geworden. Er ist sich sicher: "Anders könnte ich diesen Beruf nicht nicht aushalten."




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