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Am Ende bleibt nur noch ein Häufchen Asche

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Ulm Das, was übrig bleibt, ist nicht mehr als ein kleines Häufchen Asche. Vorsichtig wiegt der Mitarbeiter des Krematoriums die Urne in seinen Händen. Weißgrau blitzt der staubige Inhalt der Besuchergruppe entgegen. Was die angehenden Betreuungsassistentinnen an diesem nasskalten Wintertag zu sehen bekommen, ist nicht weniger als der kümmerliche Rest eines Menschenlebens, das der bis zu 1000 Grad heiße Einäscherungsofen zuerst zu Knochenfragmenten und die Mahlmaschine anschließend zu feinem Staub verarbeitet hat.

Wer dieser Mensch einmal gewesen ist, daran erinnern nur noch Fremdkörper wie künstliche Gelenke, die zuvor von Hand aussortiert wurden und in einem Eimer landeten - und eine fünfstellige Nummer auf einem kleinen Schamottstein. Er hat den Toten begleitet, vom Eingang in den Verbrennungsofen bis zur letzten Ruhestätte in die Urne. Denn auch 1000 Grad Celsius haben den Stein nicht zum Schmelzen gebracht. So blieb er, während der leblose Körper und der Sarg in den Flammen verbrannten, die untrügliche Versicherung, dass Asche und Leiche nicht verwechselt wurden. Doch das sei Gott sei Dank noch nie passiert, sagt Ulrich Eisenbarth.

Verbrennungsöfen werden jeden Tag angeheizt

Der Mitarbeiter der Stadt Ulm führt immer wieder Besuchergruppen über den Friedhof an der Stuttgarter Straße. Krematorium inklusive. Damit die Menschen erfahren, wie es dort wirklich ist, sagt Eisenbarth. Schließlich entschieden sich immer mehr Menschen für eine Einäscherung. Doch meist kursierten völlig falsche Vorstellungen über das, was hinter den alten Friedhofsmauern tagtäglich passiert. Hartnäckig halte sich zum Beispiel das Gerücht, dass nur an ganz bestimmten Tagen die Verbrennungsöfen angeheizt würden, doch das stimme nicht. Das Krematorium habe jeden Tag unter der Woche offen, betont der Friedhofsverwalter. Auch gehöre es in die Welt der Ammenmärchen, dass aus dem Krematorium süßlicher Duft entweiche, sagt Eisenbarth. Gegen all diese Vorurteile will der Friedhofsverwalter mit seinen Führungen zu Felde ziehen. Denn würden die Besucher erst einmal die Wirklichkeit mit eigenen Augen sehen, könne gerade dem Krematorium viel von seinem Schrecken genommen werden, glaubt Eisenbarth.

Mit dem Aufzug fährt der Sarg in den zweiten Stock

Ruhig und sachlich beschreibt er den diesmal ausschließlich weiblichen Gästen, die trotz Graupelschauer zum Friedhof an der Stuttgarter Straße gekommen sind, den letzten Weg, den ein jeder Mensch, der sich verbrennen lassen will, einmal gehen muss. Von der Aufbahrung in der Aussegnungshalle über die feierliche Abschiedsfeier bis hin zu dem Moment, an dem die Angehörigen den Sarg ihres toten Verwandten zum definitiv letzten Mal zu Gesicht bekommen. Was anschließend im Krematorium hoch oben am Hang passiert, ist in jedem Schritt aufs Genaueste festgelegt, erklärt Eisenbarth.

Liegen Sterbeurkunde und ein polizeiliches Unbedenklichkeitszeugnis vor und hat ein Arzt, um auf Nummer sicher zu gehen, den Toten noch einmal begutachtet und sein O. K. gegeben, dann erteilt der Friedhofsverwalter die Erlaubnis, die Leiche zu verbrennen. Mit dem Aufzug fährt der Sarg schließlich in den zweiten Stock des Krematoriums. Dort schieben ihn Mitarbeiter in einen der beiden Verbrennungsöfen. Was von Sarg und Inhalt nach eineinhalb Stunden im glühend heißen Ofen dann noch übrig bleibt, passt in das schmale Urnengefäß, das der Krematoriums-Mitarbeiter jetzt vor den gebannten Blicken der Besucherinnen mit einem metallenen Deckel verschließt. Darin eingraviert ist nicht nur der Name des Toten, sondern auch die fünfstellige Nummer, die mit dem Schamottstein am Ende ebenfalls ins Aschegefäß wandert, erklärt Eisenbarth.

Wo die Urne nun ihre letzte Ruhestätte findet, habe entweder der Tote noch zu Lebzeiten festgelegt oder sei Entscheidung der Angehörigen, erklärt Eisenbarth, der die Besucherinnen nach dem Abstecher im Krematorium nun noch durch die verschiedenen Abteilungen des Friedhofs führt. Es geht hinab, entlang des kleinen Baches, der durch das hügelige Gelände führt, vorbei an unzähligen Gräbern, kleinen wie großen, reich geschmückten wie schon längst verlassenen, durch den muslimischen und jüdischen Teil, bis hin zur Aussegnungshalle, wo die Führung schließlich endet. Genau jener Ort, an dem traditionell die letzte Reise eines jeden Toten beginnt.




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