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Verlockendes Zahngold

Published by in German / Deutsch ·

Edelmetallraub sorgt derzeit in der Bestattungsbranche in Deutschland für Aufsehen. Bernische Krematorien dagegen winken ab. Dass Edelmetall entwendet werde, sei ein «Gerücht», heisst es.

In Deutschland sorgt ein Fall von Edelmetallraub in einem Hamburger Krematorium für Aufsehen: Den Mitarbeitern des Krematoriums wird vorgeworfen, Zahngold und Schmuck aus der Asche von Toten entwendet zu haben. Die Staatsanwaltschaft Hamburg gehe davon aus, dass die Mitarbeiter seit mehreren Jahren Goldzähne von Verstorbenen weiterverkauft hätten, schreibt die Fachzeitschrift Bestatterzeitung.de. In der «Hamburger Morgenpost» wurde ein Informant zitiert, der gar von einem Krematoriumschef wisse, der sich mit dem Golderlös die Winterferien finanziere.

«Es ist nur die Spitze des Eisbergs», sagt Peter Niermann, Geschäftsführer der Bestatterzeitung.de. Bevor die Asche nach der Kremierung in die Urne abgefüllt werde, werde sie in einer Aschemühle verfeinert – in dieser Phase des Kremierungsprozesses könnten Goldpartikel aussortiert werden. Die Entwendung von Edelmetallen aus Krematorien wecke ungute Assoziationen und sei ein Problem. Denn es handle sich anscheinend um ein Millionengeschäft. «Ich glaube nicht, dass das in der Schweiz anders ist, nur wahrhaben will das keiner», sagt Niermann. Die holländische Firma Ortho-Metals etwa, spezialisiert auf die Wiederaufarbeitung von orthopädischen Implantaten und Restmetallen aus Krematorien, sei seit 2001 auch in der Schweiz tätig.

In Bern sei es kein Thema

Er habe noch nie gehört, dass man Gold aus der kremierten Asche heraussiebe, sagt hingegen Peter Bonsack, Technischer Leiter des Krematoriums der Stadt Biel und Präsident der Interessengemeinschaft der Friedhof- und Bestattungsämter der Schweiz. Er spricht von «einem Gerücht». Auch im Krematorium der Stadt Burgdorf kenne man das Problem nicht, sagt Feuerbestatter Paul Gerber. «Zahngoldraub war bei uns nie ein Thema.» Das durch das Kremieren geschmolzene Gold werde zu schwarzen Klumpen. Diese müsste man explizit suchen, dazu brauche man ein geübtes Auge. Theoretisch sei die Entwendung von Edelmetallen aber möglich. Daher sei es wichtig, Mitarbeiter einzustellen, welchen man absolut vertrauen könne.

Auch für Christian Gasser, Geschäftsführer des Krematoriums Bern, ist Edelmetallentwendung kein Thema. Schmuck gehöre nicht ins Krematorium: Ringe und Uhren etwa würden den Toten schon vor der Aufbahrung entfernt. Selbst wenn kleinere Goldpartikel in der Asche wären, laute die Anweisung, diese in der Asche zu belassen, «schon nur aus Pietätsgründen», sagt Gasser.

Implantate werden aufbereitet

Orthopädische Implantate wie etwa Hüftgelenke, die zu gross seien, um in der Aschemühle gemahlen zu werden, würden nach dem Kremieren aus der Asche entfernt und wiederaufbereitet. Das hochwertige Metall von Implantaten werde an eine Firma weitergegeben, die im Bereich des Schiffbaus tätig sei und aus dem Metall unter anderem Schiffsschrauben anfertige. Der Ertrag daraus belaufe sich jährlich auf «etwas mehr als 1000 Franken». Dieser Ertrag werde über die Geschäftsbuchhaltung abgewickelt. Gasser, der zudem Vizepräsident des Schweizerischen Verbands der Krematorien ist, meint: Das Verhalten der übrigen Schweizer Krematorien entspreche wohl der Berner Praxis.

Diese Einschätzung bestätigt Heinrich Fehr, Präsident der Luzerner Feuerbestattungs-Genossenschaft. Der Prozess der Kremierung sei ein «industrieller Vorgang», in dem es praktisch unmöglich sei, dass sich ein Mitarbeiter Goldreste aneigne. Ausserdem seien die Verordnungen klar: Die Bestatter definierten die Richtlinien, was in den Sarg kommen dürfe. Sei der Sarg erst einmal im Krematorium eingetroffen, werde er nicht mehr geöffnet. «Unsere Leute schieben den Sarg nur noch in den Ofen», sagt Fehr. Würde dieses Verbot umgangen und der Sarg geöffnet, könnte aber tatsächlich Goldschmuck entfernt werden. Fehr verweist auf eine zweite mögliche Schwachstelle: Würde man die zweieinhalb Liter Grobasche nach dem Kremieren von Hand aussieben, liessen sich vielleicht kleine Goldkrümel finden. Das sei dann wie das Goldwaschen in einem Bach, «aber es ist einfach nicht vorstellbar, dass jemand das macht, ohne aufzufallen». Normalerweise seien mindestens zwei Angestellte in den Kremierungsprozess involviert. Würden diese in «Komplizenschaft» zusammenarbeiten, wäre aber durchaus denkbar, dass Gold entwendet werden könnte. Fälle wie im Krematorium Hamburg gebe es periodisch, und sie seien keine Neuheit. Das auch in der Schweiz solche Fälle vorkommen können, sei nicht völlig auszuschliessen.




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